SELIG SEID IHR ARMEN, DENN DAS REICH GOTTES IST EUER. Lukas 6.20
Freundeskreis Ndolage Freundesbrief 2004
Ndolage Hospital P.O.Box 34
Kamachumu Kagera-Region
Tanzania
10.11.2004
Liebe Freundinnen und Freunde Ndolages!
Bald haben wir einen Grund zum Feiern. Am 9.3.2005 wollen wir das
75-jährige Jubiläum des Krankenhauses und das 50-jährige der
Krankenpflegeschule begehen. Hierzu laden wir alle Freundinnen und Freunde
Ndolages ganz herzlich ein.
Wir möchten Sie nun nicht mit trockenen Daten langweilen, sondern Sie
einladen, den Berichten des treuesten Besuchers unseres Morgengebetes im
Hospital zu folgen. Bei jedem Wetter macht sich der 84-jährige Mzee („alter
Herr“) Paulo auf den zwei Kilometer weiten Weg von seiner Wohnung zum Krankenhaus.
Er berichtet:
„1928 kamen die ersten
deutschen Missionare auf die damals nur von Gras bedeckte Hochfläche.
Medikamente wurden von Schwester Emilie ausgeteilt. Bald darauf wurde mit dem
Bau des Krankenhauses begonnen. In dieser Zeit wurde die Bevölkerung besonders
von Infektionskrankheiten wie Malaria, Geschlechtskrankheiten und Pocken
heimgesucht. Ein Großteil der Kinder starb sehr früh. Die Behandlung erfolgte durch
traditionelle Heilkundige in den Dörfern.“
Als der deutsche Arzt Dr. Friedrich Kröber von der Bethel-Mission hier
die Arbeit aufnahm, wurden viele Krankheiten zum ersten Male behandelbar. Die
Geschlechtskrankheiten konnten zurückgedrängt werden und auch große Operationen
wurden durchgeführt. Auf die Frage nach den wichtigsten Änderungen, die das
Hospital für die Bevölkerung gebracht hat, berichtet Mzee Paulo:
„Viele Menschen fanden Arbeit als Hausangestellte, bei Außenarbeiten
und im Krankenhaus. Wir haben viel zur Fragen der Hygiene gelernt und neue
Methoden der Landwirtschaft gesehen.“
Aus den Erinnerungen von Mzee Paulo sind folgende weiteren Ereignisse
erwähnenswert:
1954 Gründung der Krankenpflegeschule.
1961 Unabhängigkeit Tansanias. Zum ersten Mal wurde ein
flächendeckendes System der Gesundheitsversorgung aufgebaut, das insbesondere
die Kindersterblichkeit erheblich reduzierte.
1964 Errichtung eines kleinen Wasserkraftwerkes am nahen Wasserfall,
das zum ersten Male Elektrizität auf das Kamachumu-Plateau brachte.
Wer bezahlte damals die Behandlung der Kranken?
„In staatlichen Krankenhäusern war die Behandlung oft kostenlos. Viele
Menschen bezahlten aber lieber eine gewisse Gebühr, um in Ndolage behandelt zu
werden. Heutzutage haben aber viele Mensche Probleme, weil sie nur noch sehr
wenig Geld für ihren Kaffee bekommen.“
Soweit zu den Berichten von Mzee Paulo. Für die folgenden Jahre können
wir schon auf die eigenen Erinnerungen zurückgreifen. Der Schreiber dieses
Briefes erinnert sich noch, wie er im September 1983 als Student an einer
Fortbildungsveranstaltung in Ndolage teilnahm. Ein Arzt berichtete über eine
neue Erkrankung, die bei Homosexuellen in den USA entdeckt worden war. Auf der
Tafel stand AIDS -> Tod. Einen Monat später wurde dann in Ndolage der erste
Fall dieser Krankheit in Tansania diagnostiziert.
Wie Sie aus den letzten Rundbriefen entnehmen können, hatte Ndolage in
den letzten Jahren mit erheblichen finanziellen Problemen zu kämpfen. Durch
Umstrukturierungen in der Leitungsebene und auch durch Ihre Unterstützung ist
es uns nun gelungen, das Krankenhaus finanziell zu konsolidieren und
gleichzeitig die Behandlungskosten auf einem bezahlbaren Niveau zu halten.
Werdenden Müttern können wir die Entbindung einschließlich des stationären
Aufenthaltes und aller Medikamente für 3,80 Euro (7,60 Euro, falls ein
Kaiserschnitt erforderlich ist) anbieten. Für besonders arme Patienten steht
unser Poor-Patients-Fund zur Verfügung, den wir aus Ihren Spendengeldern
finanzieren.
Folgende Neuigkeiten gibt es zu berichten:
Seit diesem Jahr unternimmt die tansanische Regierung große Anstrengungen,
um landesweit eine ausreichende Versorgung mit gegen das AIDS-Virus wirksamen
Medikamenten sicherzustellen. Um zu verhindern, dass diese Medikamente durch
eine unkontrollierte Anwendung unwirksam werden, sind strenge Kontrollen
erforderlich. Deshalb müssen alle Institutionen, die diese Behandlung beginnen
wollen, zunächst viele Vorrausetzungen erfüllen und sich dann registrieren
lassen. Diese Tatsache hat unser Projekt der Behandlung von AIDS-infizierten
Eltern zeitlich zurückgeworfen. Wir müssen den ganzen Prozess der Registrierung
durchlaufen. Gleichzeitig haben wir aber die Aussicht, nach erfolgter
Registrierung über die Regierung kostenlos Medikamente zu beziehen, so dass wir
letztendlich weit mehr Menschen helfen können. Wir sind froh, dass uns in
diesem arbeitsintensiven Prozess eine hauptamtliche Koordinatorin, Schwester
Witness Lwamulege, zur Verfügung steht, die über eine Spendenaktion der
Vereinten Evangelischen Mission finanziert wird.
Wie sie wissen, hat sich unser Chefarzt Dr. Rwakyendela in Südafrika zu
Gynäkologen und Geburtshelfer weitergebildet. Insbesondere seiner unermüdlichen
Arbeit ist es zu verdanken, dass sich Ndolage in den letzten zwei Jahren so gut
entwickelt hat. Damit seine Facharztqualifikation auch in Tansania anerkannt wir,
muss er noch ein Jahr in einer tansanischen Universitätsklinik arbeiten. Seine
Stelle hat deshalb seit dem 1.10. der Gesundheitssekretär unserer Diözese, Dr.
Kato übernommen.
Zum Abschluss des Briefes möchte ich Ihnen von einer jungen Frau,
nennen wir sie Anita, berichten. Sie ist 19 Jahre alt und wohnt in einem
abgelegenen Dorf 40 Kilometer westlich unseres Krankenhauses. Bis zur nächsten
Gesundheitsstation und zum nächsten gelegentlich verkehrenden öffentlichen
Verkehrsmittel sind es 5 Kilometer. Ein Jahr nach ihrer Hochzeit ist sie
schwanger. Als die Wehen verspürt, geht sie zu einer traditionellen Hebamme,
weil das Geld für die Gesundheitsstation nicht reicht. Sie ist sehr zierlich
gebaut und deshalb kommt es zu einem Geburtsstillstand. Die Verwandtschaft legt
alles vorhandene Geld zusammen und organisiert den Transport nach Ndolage. Als
sie im Krankenhaus ankommt, ist der Kopf des Kindes schon seit 36 Stunden in
ihrer Scheide verkeilt, kindliche Herztöne sind nicht zu hören. Durch einen
sofortigen Kaiserschnitt können wir wenigstens das Leben der Mutter retten.
Durch den andauernden Druck des kindlichen Kopfes ist das Gewebe zwischen
Scheide und Harnblase zerstört, andauernd rinnt Urin an ihren Beinen hinunter.
Es ist zu einer „vesikovaginalen Fistel“ gekommen, einem in armen Ländern immer
noch verbreiteten Krankheitsbild, das ein normales Intim- und Sozialleben
unmöglich macht und in der Regel dazu führt, dass die Frauen von ihren Männern
verlassen werden. Glücklicherweise gelingt es unserem Gynäkologen durch eine
schwierige Operation die Fistel zu verschließen und so die Patientin zu heilen.
Die gesamten Behandlungskosten in Höhe von 120 Euro können dank unserer
Unterstützerinnen und Unterstützer in Deutschland durch unseren
Poor-Patients-Fund finanzieren.
Wir wünschen Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!
Dr. James Kato, Chefarzt Dr.
Frank Beier, Chirurg
Spendenkonto: Vereinte Ev. Mission, Evangelische Darlehngenossenschaft
Münster, BLZ 400 601 04, Konto-Nr.: 563 701, Verwendungszweck: Kennwort
Ndolage-NWD und komplette Adresse für die Spendenbescheinigung (Wenn die
Adresse nicht unter „Verwendungszweck“ steht, wird sie nicht übermittelt!) PS:
Daueraufträge geben uns eine größere Planungssicherheit
Kontakte:
Krankenhauszentrale: ndolage@bukobaonline.com
Dr. Frank Beier: SilkeFrankB@web.de